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Chronik Hahnenklee-Bockswiese seit 1882

125 Jahre Heilklimatischer Kurort Hahnenklee-Bockswiese

eine Zeitreise von 1882 bis 2007
zusammengestellt von Kurt Meyerhoff und Axel Pfannkuche

Weiterführung der Chronik
seit 2008 von Volker Berrisch und Heino Wohlert

Die Vorsitzenden des Harzklub-Zweigvereines seit 1885

  • 1885 – 1897      Förster                         G. Reiche                              
  • 1897 – 1899      Kaufmann                     E. Steinhoff                          
  • 1899 – 1901      Kaufmann                     Schwoon                               
  • 1901 – 1905      Obersteiger                  Weinhardt                            
  • 1905 – 1907      Steiger                         Schramm                                 
  • 1907 – 1909      Kaufmann                     E. Steinhoff                           
  • 1909 – 1921      Revierförster                Hermann Müller                 
  • 1921 – 1926      Exzellenz                      von Wedel                             
  • 1926 – 1939      Hotelbesitzer                Dietrich Merz                      
  • 1939 – 1957      Kaufmann                     Martin Weiß                        
  • 1957 – 1960      Kur-und Gemeindedirektor  
                                                                  Hermann Jacobs, komm.        
  • 1960 – 1974      Oberförster                   J. Petri                               
  • 1974 – 1974      Vers.-Kaufmann            K. Uhl                                   
  • 1974 – 1976      Rektor                           H. Quack                              
  • 1976 – 1990      Zahnarzt                       Georg Ramtke                  
  • 1990 – 1999      Förster                          Rolf Schulz                           
  • 1999 – 2011      Mech.-Meister                Werner Otten                    
  • 2011 – 2016      Kaufmann                      Marco Stanek                      
  • 2016 – 2017      Gastronom                     Klaus Peter Kühl, komm.    
  • 2017 -               Hotelkauffrau                Hildegard Steffens

Die Jahre von 1882 bis 1930

1882

Der Sommer 1882 gilt als das Geburtsjahr Hahnenklees als Kurort. Der erste Kurgast war Henriette Wilmsen aus Arnswalde in der Neumark.
Am 1. Oktober 1882 kaufte der aus Bad Harzburg stammende Georg Carl Frick, im Volksmund "Der Deutsche" genannt, vom Bergmann August Keller die 1878 mit der Hausnummer 52 erbaute Gastwirtschaft "Zum Braunen Hirsch". Mit der Umbenennung in "Gasthof Deutsches Haus" proklamierte er den "Kurort Hahnenklee". Hermann Keller kauft den (Hahnenkleer) Hof.
Die Schächte der Bockswieser Grube "Herzog August und Johann Friedrich" erreichten eine Teufe von 410 bzw. 430 m.
Die Orte Bockswiese und Hahnenklee bildeten eine Gemeinde, wobei der Bergbauort Bockswiese bedeutender war.
Mit zunehmendem Fremdenverkehr gewann Hahnenklee an Bedeutung, 1935 wurde die Gemeinde offiziell Hahnenklee-Bockswiese genannt.

1884

Im Sommer 1884 meldet Hahnenklee 27 Kurgäste. Im August Anbindung an die Autostraße Goslar-Zellerfeld über Bockswiese im Bereich Wegekreuz (Kreuzeck).

1885

Befestigung der Hauptstraße, der heutigen Rathausstraße, zur Fahrstraße.  

1886

Es gründete sich ein Verschönerungsverein. Hahnenklee meldet 228 Kurgäste.

1888

Das "Dreikaiserjahr" : die Bergwerke gingen an den Landesherren Kaiser Friedrich III. , nach dessen Tod an dessen Sohn, Kaiser Wilhelm II.

1889

Am 1. April wurde im Haus von Kaufmann Keller (später Haus Nowatzki, Alte Post) eine Posthilfsstelle eingerichtet.

1890

Hotelbesitzer Frick vom “Deutschen Haus” legte einen Park an, der sich von seinem Haus bis zum Kranicher Teich erstreckte. Im “Deutschen Haus” wurden bereits medizinische Bäder angeboten. In den Anlagen gegenüber dem Hotel befand sich ein Tennisplatz. Ab 1894 gab es Kurkonzerte mit einer Militärkapelle aus Goslar.  

1891

Am 1. September 1891 enstand die erste Telefonverbindung im Hotel “Deutsches Haus” mit der Aussenwelt. Der Güterverkehr nach Hahnenklee und Bockswiese wurde bis 1891 ausschließlich mit Trageseln vorgenommen.

1892

Am 24. Januar 1892 wurde der Untersteiger Theodor Hein ehrenamtlicher Gemeindevorsteher für Bockswiese und Hahnenklee. Er hat das Amt bis zum 31. Januar 1919 inne.
Am 2. Mai 1892 wurde aus der Posthilfsstelle eine Postagentur.
Während der Sommermonate, vom 1. Juni bis 30. September, erfolgte die Personenbeförderung von und nach Goslar mit mehrsitzigen Personenfuhrwerken unter Mitnahme von Postsachen.
Eberhard Liebetraut wurde neuer Besitzer des Hofes und richtete eine Gastwirtschaft ein.
Fertigstellung der Strassenverbindung nach Lautenthal, die aber erst 1910 als feste Strasse ausgebaut wird.

1894

Neubau des "Grandhotel Kurhaus" auf dem Grundstück des späteren Rathauses der Gemeinde Hahnenklee-Bockswiese in der Rathausstraße.
Erste Kurkonzerte im Hotelgarten des "Hotel Deutsches Haus", ausgeführt vom Clausthaler Bergmusikkorps.  

1895

Gründung des Harzklubzweigvereins Hahnenklee-Bockswiese am 17. Februar 1895 im Hotel “Deutsches Haus”. Der erste 1. Vorsitzende war Förster G. Reiche.
Am 1. April 1895, anlässlich des 80. Geburtstages von Otto von Bismarck, wurde ein Denkmal mit einer Reliefplatte auf einem spitzkegeligen, 3 Meter hohen Sandsteinfindling mit umlaufendem Eisenzaun aufgestellt.
G. C. Frick, im Volksmund "der Deutsche", pflanzte dazu eine Eiche, welche noch heute an gleicher Stelle in der Rathausstraße steht. Der Findling ging beim Bau der Seilbahn 1970 verloren, die Reliefplatte wurde an gleicher Stelle unter der "Bismarckeiche" wieder aufgestellt.

1896

Die Personenbeförderung erfolgte im Sommer (Juni bis September) täglich durch private Landauer und Kutschen zwischen Goslar und Hahnenklee.

1897

Eine neue Wasserleitung wurde vom Mühlenberg in die bestehenden Wohnhäuser verlegt. Sie löste den bestehenden Röhrenstrang, der bis dahin 3 Bottiche -alte Entsilberungskessel- mit Trinkwasser versorgt hatte, ab.  

1898

Am 18. Juni 1898 wurde ein Postamt III mit zwei festangestellten Postboten eingerichtet.

1900

Um die Jahrhundertwende standen noch etwa 100 Kühe, Harzer Rotvieh, in den Ställen der Bergmannshäuser. Die Gäste schätzten die frischgemolkene Milch als ein gesundes Kurprodukt.
Während Hahnenklee in den 90er Jahren schon einige Hotels aufzuweisen hatte, gab es in Bockswiese nur das gern von Damen aufgesuchte Kurhaus des Hoteliers Keller.
Wilhelm Herbst wird Besitzer des Hahnenkleer Hofs.

1903

Am 24. Mai 1903 erfolgte die Grundsteinlegung für einen 20 Meter hohen eisernen Aussichtsturm auf dem Bocksberg.  

1904

Hermann Knüppel kaufte den "Hof" (Hotel Hahnenkleer Hof) und legte 1905 den Grundstein für die Anlage eines 8 Morgen großen Parks mit seltenen Pflanzen und Bäumen.  

1905

Oberförster Hermann Müller trat als der erste ehrenamtlich ernannte Kurdirektor seinen Dienst an und machte sich um den Ausbau Hahnenklees verdient.  

1907

Vom 22. bis 24. Juni feierte Hahnenklee-Bockswiese sein 25-jähriges Bestehen als Kurort. Anstelle der 32 kleinen Bergmannshäuser mit etwa 250 Einwohnern waren mehr als 90 moderne, meist 2-stöckige Logishäuser entstanden, die jährlich etwa 7.000 Sommergästen behagliche Unterkunft gewährten. 
Gründung des "Wintersport-Vereines".

1908

Nach nur zehnmonatiger Bauzeit wurde die Stabkirche am 28. Juni 1908 feierlich eingeweiht.

1909

Der Kaufmann C.W. Frick erbaute ein Elektrizitätswerk und versorgte mit einem auf 30 Jahre befristeten Liefervertrag die Gemeinde mit elektrischem Strom.
Versuchsweise wurde der Kraftomnibusverkehr zwischen Goslar und Hahnenklee eingerichtet.
Einrichtung des Lichtluft-Kurparkes "Riklihöhe".

1910

Bockswiese und Hahnenklee konnten 10.000 Übernachtungen verbuchen.
Bis 1912 wurde die Hauptstrasse erhöht und mit einem Pflaster versehen. Die Arbeiten wurden an Sonntagen von den männlichen Einwohnern in Eigenhilfe ausgeführt.  

1911

Bis 1913 Neubau einer Hochdruckwasserleitung vom "Schwarzen Hermann" (Oberer Kellerhalsteich) und Erweiterung der bestehenden Kanalisation.
Das "Grandhotel Kurhaus" brennt vollständig ab.

1912

Ein "Kaiserliches Postamt" wurde in der "Villa Hermine", einer Dependance des "Hotel Deutsches Haus", eingerichtet.
Die Kurverwaltung und eine Lesehalle befanden sich bis 1918 im linken Erdgeschoss.  

1913

Das Oberharzer Wasserregal fand Eingang in das Preussische Wassergesetz. 

1914 - 1918

Der erste Weltkrieg  

1918

Die Bergwerke gingen an den Freistaat Preussen über.

1914 - 1924

Gustav Lieben wurde -erstmals- hauptamtlicher Gemeindevorsteher. Er übernahm auch die Kurverwaltung, die bis dahin von Oberförster Hermann Müller ehrenamtlich geleitet wurde.

1920

Hahnenklee zählt ca. 11.000 Gäste

1922

Am 13. Mai 1922 kam der Heilpraktiker Ferdinand Steinmeyer nach Hahnenklee. In seinem Haus in der Krusestraße (heute Ecke Hewdwigstraße, Parkstraße 17) eröffnete er ein “Heilinstitut für Nervenkranke”. Er praktizierte u.a. Heilung durch Handauflegen, weshalb er im Volksmund "Streichelmeyer" genannt wurde. Allein die Existenz seiner Praxis brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung für den Ort, da viele wohlhabende, hochgestellte Personen aus den Städten seine Patienten waren.
Gründung der “Hahnenkleer Bank” am 23. Dezember 1922 als “Spar- und Darlehenskasse”. Den Namen “Hahnenkleer Bank” erhielt sie erst 1925. Als erster Geschäftsführer war 1923 August Berker tätig. Die Geschäftsabwicklung erfolgte bis 1957 in angemieteten Räumen im Haus Hindenburgstr. 1  

1923

Bau einer 1.550 m langen Bobbahn am Nordhang des Bocksberges mit 8 Kurven, deren höchste mit 5 m das “Große S” war.
Initiatoren waren der Gemeindevorsteher Gustav Lieben und der Hotelier Herman Knüppel. Die technische Planung lag bei Ingenieur Zentzytzki aus Berlin, die Bauausführung leiteten Regierungs-Baumeister Stellfeld aus Hahnenklee  und Katasterinspektor Köppen aus Clausthal. Dem Goslarer Unternehmen C. Lauterberg oblag die Bauausführung.
Bobsportwart war Franz Peinelt.
Eine 1.250 m lange Naturrodelbahn verlief parallel zur Bobbahn. Hier wurden im Januar 1924 die Deutschen Rodelmeisterschaften ausgetragen.
Hahnenklee-Bockswiese wurde Jahreskurort.

1924 - 1929

Pensionshausbesitzer Carl Weißleder war nebenberuflich als Gemeindevorsteher tätig.

1925

Verlegung der ersten Gasleitung von Zellerfeld über Bockswiese nach Hahnenklee.
Ehrenamtlicher Gemeindevorsteher ist vom 9. Mai 1925 bis 19. Mai 1929 Carl Weißleder.
Am 1. Oktober 1925 übernahm Major a.D. Curt Oertmann bis 30. September 1933 das Amt des Hauptamtlichen Kurdirektors.
Die Post richtet Ihren Winterfahrdienst ein.
Die ersten Gäste kommen nach dem Krieg wieder nach Hahnenklee.
Die Bürger waren durch Krieg und Inflation stark verschuldet. Viele mussten ihre Häuser verkaufen. Aus allen Gegenden kamen Gastronomen, um sich in Hahnenklee niederzulassen.  

1926-1927

Bau des Waldsee-Freibades am Kuttelbacher Teich unter Gemeindevorsteher Carl Weißleder. Das Schwimmbad verfügte über einen 10-Meter-Sprungturm, unterteilt in 3-Meter-Sprungbrett und 5-Meter-Plattform, sowie vier Wettkampfbahnen von 50 m Länge zwischen zwei Schwimmbühnen. Am 10. Juni 1935 wurde eine Wasserrodelbahn eingeweiht. 1949 nochmals renoviert war sie bis 1952 in Betrieb. 1978 wurden alle Gebäude abgerissen.
Bei der Neugestaltung wurde auch ein Rund-Café einbezogen, die einstige Terassenanlage wurde zur Liegewiese umgestaltet.

1926

Am 30. April 1926 bildete sich in der Bocksberghütte auf Anregung von Ferdinand Steinmeyer, ähnlich der seit 1889 auf dem Brocken üblichen Feier der Walpurgisnacht, eine Walpurgisgemeinde Bocksberg.
Im Jahre 1927 wurde erstmals in grösserem Rahmen eine Walpurgisfeier begangen. Nach einem Festessen im Deutschen Haus -gewürzt mit Vorträgen, Gesang und Tafelmusik- ging es gegen 23 Uhr zur Blockhütte auf dem Bocksberg. Hier hielt der Teufel im Scheine eines Höhenfeuerwerks seine Ansprache, den Abschluss der Feier bildete ein Maientanz mehrerer Damen.
Am 1. April 1926 Eröffnung einer Zweigstelle der 1868 gegründeten "Volksbank Lutter am Barenberge" im Hotel “Goldener Löwe” . Bis zu diesem Zeitpunkt wurden seit 1921 die Geldgeschäfte einmal, später zweimal wöchentlich in der Gaststätte “Oberland” getätigt. Die Leitung der neuen Filiale übernahm bis 1948 Wilhelm Mahlmann.  

1928

Am 17. Juni 1928 erfolgte die Grundsteinlegung für eine katholische Marienkapelle in der Lautenthaler Straße. Bereits am 15. August konnte der erste Gottesdienst gefeiert werden. Die Gemeinde Bockswiese-Hahnenklee hatte 850 Einwohner, man zählte 15.000 Gäste.

1929

Curt Oertmann übernahm am 30. September 1929 bis 26. April 1933 das Amt des hauptamlichen Gemeindevorstehers. Am 20. November 1929 wurde die “Freiwillige Feuerwehr” Hahnenklee-Bockswiese gegründet. Erster Wehrführer war Walter Weißleder.  

1930

Neuanlage der Parkstraße im Ort, sowie Neuanlage der Ausfahrtsstraße mit Anpflanzungen von Ahornbäumen - heute der untere Teil der Parkstraße ab Hindenburgplatz bis Bockswieser Straße.
Neuanlage der Promenadenwege um die Kranicher Teiche. Für die Befestigung um den Kurteich wurde Steinmaterial aus dem Abriss des Pochwerkes in Bockswiese verwendet.