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125 Jahre Heilklimatischer Kurort Hahnenklee-Bockswiese

eine Zeitreise von 1882 bis 2007
zusammengestellt von Kurt Meyerhoff und Axel Pfannkuche

Die Jahre 1941 bis 1950

1941

Grösserer Bergschaden, mit einem rund 10 m tiefen Krater von 15 m X 15 m im Quadrat, an der Südseite des heutigen Hindenburgplatzes. Teile des ehemaligen Schulhofes und der Straße wurden mit in die Tiefe gerissen. Der Erdeinbruch wurde mit Haldenkies aus Bockswiese verfüllt.  

1942

Errichtung einer Holzbaracke zur Aufnahme von etwa 20 russischen Gefangenen einschliesslich ihrer militärischen Wachmannschaft auf dem heutigen Grundstück Triftstrasse 42. Die Gefangenen wurden unter Aufsicht zu Forstarbeiten herangezogen.  

1943

Im Juli 1943 brannte -durch Blitzschlag entzündet- das Holzblockhaus von Frl. Petersen (heute Langeliethstr. 18), im Volksmund “Die Eulenburg” genannt, bis auf das massiv gebaute Kellergeschoss ab. Wiederaufbau in verkleinerter Form bereits 1944/45.
In den von der NS-Organisation “Mutter und Kind” beschlagnahmten Hotels wurden über 3.600 Kinder geboren.
Kurhaus Bockswiese - Entbindungsheim Haus Maria - Entbindungsheim Hotel Waldgarten - Entbindungsheim Hotel Niedersachsen - Erholungsheim Haus Rische - Erholungsheim Hotel Hahnenkleer Hof - Schwestern Erholungsheim Hotel Deutsches Haus - Erholungsheim
74. Zuteilungsperiode mit den zustehenden Lebensmittelrationen pro Woche:
an Brot 1.700 g, für Jugendliche 2.000 g ; an Fleisch 250 g, für Jugendliche 300 g;
an Fett 125 g, für Jugendliche 208 g;  an Nährmitteln 225 g; für 3 Wochen an Zucker und Marmelade 500 g;
für 3 Wochen an Käse 62,5 g; ... für 3 Wochen an Quark 125 g. 

1945

Am 11. April 1945 war mit der kampflosen Einnahme durch das 3330. Amerikanische Infanterieregiment für die Einwohner von Hahnenklee-Bockswiese der Krieg zu Ende. Bürgermeister Martin Weiß und der Postobersekretär Hermann Behrens retteten mit einer spektakulären Aktion Hahnenklee-Bockswiese vor der Zerstörung.
Die amerikanische Besatzung blieb bis zum 21. Juni 1945.
Nach der Kapitulation vom 9. Mai 1945 wurde Norddeutschland der britischen Besatzung unterstellt, die sich am 21. Juni in das zugewiesene Gebiet zurück zog.
Die englische Militärregierung richtete im "Golfhotel" ihr Hauptquartier ein.
Für die Zeit zwischen 21 und 5 Uhr wurde ein Ausgehverbot festgesetzt. Für Verstöße wurden Geld- oder Gefängnisstrafen angedroht. Nach und nach wurden die Zeiten verlängert. Die beiden Weihnachtstage 1945 wurden ausgenommen. Die Ausgangsperre wurde am 6. Oktober 1946 aufgehoben.
Hahnenklee-Bockswiese hatte die höchste Flüchtlingsbelegungsquote im britischen Besatzungsgebiet. Die Einwohnerzahl stieg von 850 auf 2.600. Zahlreiche Straßenbahner aus Breslau fanden in Hahnenklee Unterkunft.  Es herrschte grosse Wohnungsnot, auch durch Fehlunterbringung vieler Vertriebener. Alle Hotels und Pensionen waren mit Flüchtlingen und Evakuierten belegt. Hotels wie der “Hahnenkleer Hof”, das “Deutsche Haus” und “Villa Marie” waren von der Besatzungsmacht beschlagnahmt.
Die Besatzungszeit dauerte bis 1949.

1946

         Als Nachfolgestaat Preussens entstand am 1. November 1946 mit der Verordnung Nr.55 der britischen Besatzungsmacht
         das Land Niedersachsen. Hahnenklee-Bockswiese gehörte politisch wieder zum Landkreis Zellerfeld.
         Erster Ministerpräsident war ab 23. November 1946 Hinrich Wilhelm Kopf, SPD.

1947

Die Deutsche Bundespost mietete das Gelände mit der Bocksberghütte bis 1957.
Daneben wurde, auf separat eingezäuntem Gelände, von den amerikanischen Besatzungstruppen eine Telefonverstärker-Station eingerichtet.
Zur erneuten Erweiterung wurde der eiserne Aussichtsturm 1953 gesprengt und ein neuer Sendemast errichtet.
Am 12. Dezember 1947 brannte das Pensionshaus “Maria” in Bockswiese bis auf die Grundmauern nieder.

1947/1948

Katastrophale Ernährungslage; es gab noch immer Lebensmittelkarten.

1948

20. Juni 1948 : Tag der Währungsreform. Pro Kopf gab es 40 Deutsche Mark.
Im Sommer 1948 wurde vom 1. Vorsitzenden Bruno Frick und vielen freiwilligen Helfern von der Sportgemeinde Hahnenklee-Bockswiese im Wald Holz geschlagen, um damit die Kurven der Bobbahn neu auszubauen. Umfangreiche Erdarbeiten und die Verlegung neuer Wasserleitungen waren notwendig, um den Neuanfang im nächsten Winter zu wagen.
1948 wurden bereits 120.000 Gästeübernachtungen gezählt
Die Forstverwaltung stellte im Waldgebiet um Hahnenklee-Bockswiese übermässig starken Borkenkäferbefall fest und befürchtete eine Katastrophe.
Bei einer Ortsbesichtigung wurde gegen starke Bedenken des Forstmeisters Brandes vom damaligen Geschäftsführenden Oberkreisdirektor Jacobs entschieden, den Wald um Hahnenklee-Bockswiese nicht zu fällen, um den Kurort bei seinem Neuanfang nicht zu gefährden.  

1949

Die ersten Verbandsrodelrennen nach Kriegsende wurden am 15. (2.?)12.1949 ausgetragen. Im März 1949 gab es mit der “Deutschen Lenkschlitten-Meisterschaft” das erste grosse Sportereignis in Hahnenklee nach dem Kriege.
Auch der Bobsport wagte den Neuanfang. Hier waren es mit ihren Bobvorkriegsmodellen Werner Zahn, Fritz Wiese, Franz Peinelt und Bruno Frick.
Hermann Jacobs begann 1949 seine Tätigkeit als Gemeinde- und Kurdirektor.
Am 12. April erhielt Hahnenklee-Bockswiese den Status eines Heilklimatischen Kurortes. Die Begriffsbestimmung für Kurorte der Bundesrepublik hat Kurdirektor Jacobs maßgeblich und wesentlich mitgestaltet. Als Vertreter der Heilklimatischen Kurorte hat er sich mit Erfolg um die Anerkennung der “Beihilfefähigkeit” und Gleichstellung mit dem Heilbaden in Staatsbädern bemüht.
Am 30. April fand die erste Walpurgisfeier im Harz nach dem Kriege mit Live-Rundfunkübertragung in Hahnenklee statt.
Neben dem Kriegerdenkmal am Prof. Mohrmann-Weg wurde auf der abgeholzten Fläche ein großes Feuer aufgebaut.
Am 2. Oktober 1949, 14:40 Uhr, Gründungsversammlung des Norddeutschen Schlittensportverbandes in Hahnenklee-Bockswiese im Hotel “Hahnenkleer Hof”.
Durch das neue Feuerschutzgesetz im Land Niedersachsen wurde den Feuerwehren die Selbstverwaltung wiedergegeben. Den Gemeinden wurde die Aufstellung einer Feuerwehr zur Pflicht gemacht. Erster Wehrführer nach dem Kriege war Günther Weißleder.
Hahnenklee-Bockswiese hatte wieder 775 Betten mit 1.204.000 Übernachtungen.

1950

Die Arbeitslosenquote lag immer noch bei 22 %.
Zweite Umgestaltung des Kurparks in Bockswiese.
1950 wurde am Kurteich der Pavillon “Irenen-Quelle” (Firmensitz Salzgitter) errichtet. Eröffnung war Pfingsten 1950, anlässlich des “Tag des Kurgastes” des Harzer Verkehrsverbandes.
Bau einer Liegehalle und einer Konzertnische auf dem ehemaligen Grubengelände der Grube “Aufrichtigkeit” hinter dem Rathaus im kleinen Kurpark.